Monat: Oktober 2012

 

Freiheit geben

Manchmal sind es die kleinen Dinge im Leben, die einen an die wichtigen Dinge erinnern.

Isabel konnte heute Nacht ab drei Uhr nicht mehr schlafen. Sie weinte, jammerte, schniefte vor sich hin. Im Moment ist sie etwas erkältet. Zum Teil ist es immer noch der Husten aus dem Urlaub, zum Teil die Reaktion auf die Impfung vor 10 Tagen, zum Teil irgendwas. Jedenfalls ist sie nicht 100% fit. Aber trotzdem hat sie die letzten Nächte immer durchgeschlafen. Nur heute halt nicht.

Conny ist aufgestanden und hat sich bei ihr ans Bett gesetzt. Ich bin später dazu gestossen. So richtig haben wir nicht rausgefunden, was Isabel fehlt. Auch nicht was sie eigentlich will. Sie war auf jeden Fall müde. Aber Schlafen wollte sie nicht. Hunger hatte sie und zog das Fläschen weg. Aber das war auch nicht das Problem. Alle möglichen Tiere und Spielsachen im Bett waren nett. Aber nicht das Rätsels Lösung. Und eine neue Windel war zwar notwendig, verbesserte die Laune aber auch nicht. Sie wollte raus aus dem Bett, hin zu dem Licht im Badezimmer. Das war klar. Nach 45min habe ich Conny abgelöst, aber nicht das Rätsel um Isabels Wünsche. Ich habe sie auch mal hier und da spielen lassen, versucht in den Schlaf zu singen, zu wiegen, so vieles. Nichts hat wirklich geholfen.

Da habe ich sie im Schlafzimmer auf den Boden gesetzt, meine Schüssel mit Uhren und Ketten als Spielzeug hingestellt und mich hingelegt. Nach einer Minute stand sie neben dem Bett, wollte meine Hand und mich mitnehmen. Tür aufmachen war meine Aufgabe. Danach zog sie mich zu dem Spielzeug. Wie eine wilde rannte sie im Dunkeln den Ball hinterher, schob das Bobbycar durch den Raum, untersuchte ihre Spielzeugkarre. Alles im Dunkeln bei Vollmond morgens früh um fünf.

Ich dachte mir: „Das kann die auch schon alleine“ und ging zurück ins Bett. Man sollte seiner Tochter die Freiheit geben, die sie haben will und darauf vertrauen, dass sie das auch schon kann. Mir fielen die Augen zu und kurz darauf stand Isabel neben mir am Bett, zupfte an meiner Hand und liess sich ohne Murren ins Bett heben. Binnen weniger Minuten schlief sie friedlich zwischen uns ein. Wenn man als Eltern das richtige Vorbild abgibt, dann erkennen Kinder das auch irgendwann und folgen diesen Vorbild.

Vielleicht erinnere ich mich irgendwann mal an diese Nacht, an diese Ideale und an das Vertrauen, das man haben muss, damit es Erfolg haben kann. Was hier im Kleinen klappte, wird während der Trotzpahase oder gar der Pubertät viel schwerer werden.

Doch Freiheit geben, Vertrauen haben und Vorbild sein sind wichtige Grundsätze, die ich meiner Tochter geben und weitergeben will.

 

 

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