Ahnen – Mehr als nur Namen

Es ist ein Privileg des Alters, dass man sich um solche Themen Gedanken machen darf. Früher hat mich das nicht interessiert. Ich habe es aber auch wohl nie richtig verstanden.

Die Menschen stammen vom Affen ab!

Das klingt trivial. Jeder sagt das so einfach vor sich hin. Das bedeutet aber auch:

Von dem Tag an, als sich ein Kind auf die Welt kam, dass sich von seinen affenartigen Eltern so unterschied, dass es als erster Mensch gelten kann, bis heute gibt es eine Kette von meinen Vorfahren, die nie unterbrochen wurde. Es folgte Kind auf Kind. Generation auf Generation. Jedes Kind kam erfolgreich auf die Welt, wuchs auf, überlebte die Kindheit, fand einen Partner, sie wurden Eltern und brachten ein neues Kind auf die Welt. Generation für Generation. Und jede war zumindest so erfolgreich, dass sie das Leben weitergab, den „Circle of Life“ ungebrochen hielt. Und das war dann nur ein Strang meiner Ahnen. Den ich habe ja zwei Eltern, die beide jeweils Vorfahren haben. Und diese wieder und wieder. Im Mittelalter lebten tausende Menschen ihr Leben und ihre Fortpflanzung erfolgreich. Hätte es einer nicht geschafft (und wie viele sind dem Tod wohl schon von der Schippe gesprungen), dann würde es mich so nicht geben. Und damit auch nicht meine Kinder.

Die Geschichte war immer so ein lebloses Aufzählung von Fakten. Aber meine Vorfahren waren mehr als zahlreich in dieser Geschichte vertreten. Je weiter wir zurück gehen, um so mehr waren es. Und bestimmt auch viel weiter über die Welt verstreut als man annimmt. Sie erlebten den Untergang des römischen Reiches, die Entstehung des Christentum, bestimmt auch das ägyptische Reich, die Bronzezeit und auch die Steinzeit. Meine Vorfahren waren immer da. Und nicht nur einer. So gewinnt Geschichte an Bedeutung.

Vor 250 Jahren hatte ich schon 2046 Vorfahren. Das sagt zumindest die Mathematik. Und mit jeder Generation verdoppelt sich das. Wenn dem so wäre, kommen wir auf dem Zeitstrahl rückwärts schnell an den Punkt, an dem alle Menschen auf der Welt meine Vorfahren sein müssten. Wenn denn die Erdbewohner überhaupt reichen würden. Aber dafür haben die Statistiker den Ahnenschwund gefunden. Einige nennen es boshafter weise auch Inzucht. Manchmal haben Partner gemeinsame entfernte Vorfahren. Und dann reduziert sich zwar die  Zahl gleichzeitig lebenden Vorfahren. Aber die Kette zurück bis an die Anfänge der Zeit ist deshalb nicht unterbrochen. 

Die Überlegungen zu den Ahnen haben erst mit den Kindern richtig angefangen. Aber für Conny und mich gab es schon einen Punkt im Leben, an dem die Kette der Vorfahren uns beeindruckt hat. In dem Film „Enemy mine“ wird am Ende der Drac Zammie in die Gemeinschaft aufgenommen und kann seine Vorfahren in einer Reihe benennen. Gänsehaut pur.

Bei uns scheitert das schon sehr schnell. Klar, meine Eltern und meine Großeltern kann ich benennen. Aber dann hört es schon auf. Meinen Urgroßvater väterlicherseits Johann Gebek habe ich schon mal auf einem Foto gesehen. Mehr nicht. Erzählt hat mein Papa nicht viel und fragen kann ich ihn nicht mehr. Von meiner Oma geborene van Nispen kann ich über Urkunden bis ins Jahr 1865 zurück. Zumindest teilweise kann man dort Namen aufzählen. Aber ein Leben war doch mehr als nur Name, Geburtstag und Sterbedatum. Das waren Menschen mit Gefühlen, Geschichten, Ideen und Träumen. Gute oder schlechte, böse oder liebe. Ich kann nichts über sie sagen. Gar nichts. Und das macht mich traurig. Ich will viel mehr über sie wissen. Was sie dachten, was sie wollten. Wie sie es geschafft haben den „Circle of Life“ zu erhalten und weiter zu führen. Welche Anstrengungen sie dafür auf sich genommen haben. Bei meinen Omas und dem zweiten Weltkrieg kann ich mir das noch ungefähr vorstellen. Aber wie war das davor?

Ich bin diesen Menschen, meiner Familie,  sehr dankbar, dass sie da waren und es geschafft haben. Sonst wäre ich nicht. Sonst wären meine Kinder nicht. Meine Kinder sind ein Ergebnis der Wiedervereinigung, einem Wunder der Geschichte, das wir live erleben durften. Dieser Zufall, der zu ihrer Geburt geführt hat, wird nun ein Teil der Geschichte unserer Nachkommen werden. Zu der Geschichte unserer Kindeskinder und dem weiteren Nachkommen. Wohin auch immer sich die Menschheit entwickeln wird.

P.S.: Die Geschichte unserer Vorfahren, unseres „Circle of Life“ beginnt übrigens nicht mit der Geburt des ersten Menschen. Auch die Affen, die affenähnlichen Säugetiere, der Mäuse, die den Untergang der Dinos überlebt haben über die Fische im urzeitlichen Meer bis hin zu den ersten Einzellern geht unsere persönliche Geschichte des Lebens. Und jedes Wesen hat überlebt und sich vermehrt. Millionen von erfolgreichen Einzellern haben mich möglich gemacht. Unglaublich……

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2019: Die Gebeks 50° Nord | KABBO Theme by: D5 Creation | Powered by: WordPress