Kategorie: Großeltern

 

Lebkuchenhaus

Morgens. Wir liegen noch im Bett, da ertönt aus dem Wohnzimmer ein Schrei und Joshua stürmt ins Schlafzimmer:

Nicht essen, wir wollen spielen!

Am Vorabend hatte ich Teile des Lebkuchenhauses gegessen. Wie jedes Jahr haben die Kinder zusammen mit Oma Karin daran gebaut. Die Kinder selber essen in der Regel nur wenig davon, aber dieses Jahr haben es Isabel und Joshua zum ersten Mal das haus wirklich intensiv bespielt. Ob nun Hänsel und Gretel oder eigene Geschichten, zur Zeit spielen die beiden sehr gut zusammen solche Rollenspiele. Entsprechend groß war Joshuas Entrüstung über meine Abrissarbeiten.

 

Ich vermisse Opa

Manchmal erinnern sich unsere Kinder nicht einmal daran, was sie vor fünf Minuten gemacht haben. Oder am Vormittag im Kindergarten. Geschweige denn was gestern so los war. Aber manchmal überraschen sie uns dann wieder doch.

Joshua sass gestern am Essenstisch und plötzlich sagte er:

Ich vermisse Opa so sehr.

Ich wusste erst nicht worauf er hinaus wollte. Aber dann erzählte ausführlich, dass der Opa immer mit ihm gespielt hat, wenn die Oma das Essen gemacht hat. Und das es ihm gefallen das so gefallen hat.

Mir wurde es dabei eng ums Herz. Ich weiß, dass er als Erwachsener so wie ich keine echte Erinnerung mehr an den Opa haben wird. Er wird nur Fotos kennen und unsere Erzählungen. Das Bild bei Oma bringt den Opa immer wieder in Erinnerung und auch ich will meinen Kindern später viel über Opa berichten. Damit ein wenig von ihm mit in die Erinnerungen der Familie mit einfließt.

Aber ich hätte nicht erwartet dass eine solche direkte Erinnerung bei Joshua noch präsent ist. Er war damals gerade 1 1/2 Jahre alt und das ist drei Jahre her. Aber es kam so echt und plötzlich aus ihm heraus, dass doch etwas noch vorhanden ist. 

Und ja, ich vermisse den Opa auch. Jeden Tag.

Ahnen – Mehr als nur Namen

Es ist ein Privileg des Alters, dass man sich um solche Themen Gedanken machen darf. Früher hat mich das nicht interessiert. Ich habe es aber auch wohl nie richtig verstanden.

Die Menschen stammen vom Affen ab!

Das klingt trivial. Jeder sagt das so einfach vor sich hin. Das bedeutet aber auch:

Von dem Tag an, als sich ein Kind auf die Welt kam, dass sich von seinen affenartigen Eltern so unterschied, dass es als erster Mensch gelten kann, bis heute gibt es eine Kette von meinen Vorfahren, die nie unterbrochen wurde. Es folgte Kind auf Kind. Generation auf Generation. Jedes Kind kam erfolgreich auf die Welt, wuchs auf, überlebte die Kindheit, fand einen Partner, sie wurden Eltern und brachten ein neues Kind auf die Welt. Generation für Generation. Und jede war zumindest so erfolgreich, dass sie das Leben weitergab, den „Circle of Life“ ungebrochen hielt. Und das war dann nur ein Strang meiner Ahnen. Den ich habe ja zwei Eltern, die beide jeweils Vorfahren haben. Und diese wieder und wieder. Im Mittelalter lebten tausende Menschen ihr Leben und ihre Fortpflanzung erfolgreich. Hätte es einer nicht geschafft (und wie viele sind dem Tod wohl schon von der Schippe gesprungen), dann würde es mich so nicht geben. Und damit auch nicht meine Kinder.

Die Geschichte war immer so ein lebloses Aufzählung von Fakten. Aber meine Vorfahren waren mehr als zahlreich in dieser Geschichte vertreten. Je weiter wir zurück gehen, um so mehr waren es. Und bestimmt auch viel weiter über die Welt verstreut als man annimmt. Sie erlebten den Untergang des römischen Reiches, die Entstehung des Christentum, bestimmt auch das ägyptische Reich, die Bronzezeit und auch die Steinzeit. Meine Vorfahren waren immer da. Und nicht nur einer. So gewinnt Geschichte an Bedeutung.

Vor 250 Jahren hatte ich schon 2046 Vorfahren. Das sagt zumindest die Mathematik. Und mit jeder Generation verdoppelt sich das. Wenn dem so wäre, kommen wir auf dem Zeitstrahl rückwärts schnell an den Punkt, an dem alle Menschen auf der Welt meine Vorfahren sein müssten. Wenn denn die Erdbewohner überhaupt reichen würden. Aber dafür haben die Statistiker den Ahnenschwund gefunden. Einige nennen es boshafter weise auch Inzucht. Manchmal haben Partner gemeinsame entfernte Vorfahren. Und dann reduziert sich zwar die  Zahl gleichzeitig lebenden Vorfahren. Aber die Kette zurück bis an die Anfänge der Zeit ist deshalb nicht unterbrochen. 

Die Überlegungen zu den Ahnen haben erst mit den Kindern richtig angefangen. Aber für Conny und mich gab es schon einen Punkt im Leben, an dem die Kette der Vorfahren uns beeindruckt hat. In dem Film „Enemy mine“ wird am Ende der Drac Zammie in die Gemeinschaft aufgenommen und kann seine Vorfahren in einer Reihe benennen. Gänsehaut pur.

Bei uns scheitert das schon sehr schnell. Klar, meine Eltern und meine Großeltern kann ich benennen. Aber dann hört es schon auf. Meinen Urgroßvater väterlicherseits Johann Gebek habe ich schon mal auf einem Foto gesehen. Mehr nicht. Erzählt hat mein Papa nicht viel und fragen kann ich ihn nicht mehr. Von meiner Oma geborene van Nispen kann ich über Urkunden bis ins Jahr 1865 zurück. Zumindest teilweise kann man dort Namen aufzählen. Aber ein Leben war doch mehr als nur Name, Geburtstag und Sterbedatum. Das waren Menschen mit Gefühlen, Geschichten, Ideen und Träumen. Gute oder schlechte, böse oder liebe. Ich kann nichts über sie sagen. Gar nichts. Und das macht mich traurig. Ich will viel mehr über sie wissen. Was sie dachten, was sie wollten. Wie sie es geschafft haben den „Circle of Life“ zu erhalten und weiter zu führen. Welche Anstrengungen sie dafür auf sich genommen haben. Bei meinen Omas und dem zweiten Weltkrieg kann ich mir das noch ungefähr vorstellen. Aber wie war das davor?

Ich bin diesen Menschen, meiner Familie,  sehr dankbar, dass sie da waren und es geschafft haben. Sonst wäre ich nicht. Sonst wären meine Kinder nicht. Meine Kinder sind ein Ergebnis der Wiedervereinigung, einem Wunder der Geschichte, das wir live erleben durften. Dieser Zufall, der zu ihrer Geburt geführt hat, wird nun ein Teil der Geschichte unserer Nachkommen werden. Zu der Geschichte unserer Kindeskinder und dem weiteren Nachkommen. Wohin auch immer sich die Menschheit entwickeln wird.

P.S.: Die Geschichte unserer Vorfahren, unseres „Circle of Life“ beginnt übrigens nicht mit der Geburt des ersten Menschen. Auch die Affen, die affenähnlichen Säugetiere, der Mäuse, die den Untergang der Dinos überlebt haben über die Fische im urzeitlichen Meer bis hin zu den ersten Einzellern geht unsere persönliche Geschichte des Lebens. Und jedes Wesen hat überlebt und sich vermehrt. Millionen von erfolgreichen Einzellern haben mich möglich gemacht. Unglaublich……

Geschenk von Opa Peter

Dieses Jahr bekam Joshua von Oma ein Feuerwehr-Auto geschenkt. Für ihn ein Auto, für uns viel mehr. Das Auto hat Opa Peter letzten Herbst noch selber ausgesucht. Letztes Jahr gabs den Holztraktor, der für Joshuas Alter besser war. So wartet das Auto ein Jahr für ihn.

Die kleinen Dinge

Opa's HeidelbeerlikörEs sind die kleinen Dinge im Alltag, die immer wieder diese Gräben aufreissen.

Fast ein Jahr ist es her, dass mein Papa gestorben ist. An manchen Tagen hat man sich fast damit abgefunden. Aber dann kommen diese kleinen Dinge wie die Flasche Likör aus der Kammer, die jenes Gefühl der Hilflosigkeit zurückbringen. Die Trauer um einen Menschen, dieser Gedanke an „Was hätten wir noch machen können“. Und diese kleinen Momente sind überall: Ob das Foto auf dem Schreibtisch, en Musikstück, ein Bild oder das aktuelle Ergebnis von der Hertha. Man kann ihnen nicht wirklich entkommen. Man muss lernen damit zu leben. Das kann mir keiner abnehmen und das kann ich auch meiner Mutter nicht abnehmen.

Nachtrag

Ich habe heute in meiner Jackentasche eine Eintrittskarte zu einem Football-Spiel 2015 gefunden. Das war ein Geburtstagsgeschenk für meinen Papa und das letzte Spiel das er gesehen hat. Manchmal sind es die kleinen Dinge die große Narben wieder aufreißen.

Berliner Kneipe in Moabit

Det is Berlin, wa? Mein Hotel liegt in der Nähe vom Hauptbahnhof, am Ende von Moabit. Auf dem Heimweg fahre ich mit der U-Bahn bis Turmstrasse. Ich komme die Treppe hoch und habe Flashbacks ohne Ende. Hier war der Hertie, in dem Oma arbeitete. Hier bin früher mit Rollerskates gefahren. Dahinter die Kleinmarkthalle. Da muss ich mal wieder hin, das soll super sein zum Mittagessen. Aber jetzt ist es dunkel, kurz vor Mitternacht. Den Dunklen Park kenne ich aus irgendeiner RTL-Doku über Kleindealer. Na und, kenne ich aus Frankfurt. Was soll das. Ich mach mich auf dem Heimweg. Mein Hotel ist ein Altstadt-Idyll. Hotel im zweiten Stock mit Blick in den Hinterhof. Berlin, ich steh auf Dich.

Neben dem Hotel ist noch eine alte Berliner Kneipe. Ich geh auf einen Absacker rein. Die Kneipe hat nicht nur schon bessere Tage gesehen die Kneipe hat schon viel gesehen. Sehr viel. Dunkles Holz, gekachelter Boden. Ich bestelle mir ein Schlutheiss-Pils. Der echte Wirt rennt noch irgendwo rum, also hilft mir ein Stammgast. Der kennt sich zwar mit der Zapfanlage überhaupt nicht aus, aber er unterhält mich bis der Wirt wiederkommt. Ich kann die Augen gar nicht lassen von der BugsBunny Hose des Typs.

Mein Pils dauert. Neben mir sitzt einer ruhig, den Kopf gesenkt und schaut in sein Glas. Rechts an der Wand raucht ein Kerl. Sein fettiges Haar hängt in Strähnen runter, aber er scheint sehr zufrieden zu sein. Am Spielautomaten daneben sitzt einer und zockt stundenlang. Die ganze Zeit, in der ich da war. hat er nur ein paar Sätze gesagt. Gut, viel mehr habe ich auch nicht gesagt. Dann kommt noch ein Dicker mit einem Minnesota Vikings T-Shirts. Ich glaube nicht, dass er weiß, was er da an hat. Ich halte mich zurück und diskutiere nicht über Moritz Böhringer und seine Chancen im Vikings-Kader.

Ich schaue mich um. Überall sind Hertha Fanartikel. Die ganze Decke ist weiß-blau mit Logo. Hier ein Wimpel, da eine Autogrammkarte. Ick bin in Berlin.

Ich denke an die Hertha, an die Spiele die ich besucht habe. In Offenbach, in Darmstadt und im Olympia-Stadion. Besonders das verlorene Aufstiegsspiel gegen Werder, damals 80/81. Und auf einmal sitzt mein Papa neben mir in der Kneipe. Was haben wir gemeinsam mit der Hertha durchgemacht. Er mit mehr Herzblut  als ich. Ich denke an alle die schönen Zeiten. Ich sitze in Moabit, nicht weit von hier ist mein Papa aufgewachsen. Hier hat er seine Kindheit verbracht, wurde erwachsen. Meine Gedanken gehen zu den Geschichten mit seinem Vater und dem Kabarett. Die Stachelschweine, von denen ich gerade kommen, das war seine Welt damals. Seine Freiheit und Flucht von Zuhause.Papa ist bei mir und erzählt mir von früher.

Plötzlich habe ich ein Bild von Augen. Die Kneipe in der Waldstrasse nähe Bushaltestelle. Ich kenne sie eigentlich nur von aussen. Aber ein großer Unterschied zu dieser hier gab es bestimmt nicht. Die Geschichten, wie Opa die Kneipe nach Feierabend oft besuchte und von einem kleinen Kind, dass auf den Stühlen stand. War ich das mit Opa? Oder mein Vater damals nach dem Krieg. Gab’s da die Kneipe schon? Egal. Auf jeden Fall hat mein Opa nun auch Platz genommen an der Theke. WIr sitzen hier zu dritt in einer lauen Sommernacht an den Tresen. Ich denke an das Bild von Papa, Joshua und mir. Ich mag die Drei-Generationen-Bilder. Leider habe ich keines mit Opa. Papa und mir. Konnte ja damals keiner ahnen dass uns so wenig Zeit blieb. Apropos Joshua, ich erzählen den beiden von meinem Sohn. Wie gut er sich macht, wie lieb ich ihn habe.

Aus dem Radio ertönt Elton John mit dem „Circle of Life“.
Mir läuft es kalt den Rücken runter.

„Wollen Sie noch ein Bier?“

Ach ne, lassen Sie es gut sein. Ich muss morgen früh raus, noch vor dem Frühstück. Mein Zug fährt weiter.

Geschrieben aus .

So wie früher

Eine meiner Kindheits-Erinnerungen an die vergangenen Sommer ist der Pudding zum Mittagessen. Das habe ich geliebt. Zum einen weil Pudding eh immer lecker ist, zum anderen weil ich heute noch immer Milchprodukte bei Hitze liebe. Und der gekaufte Pudding, obwohl eigentlich viel schlechter als selbstgemachter Pudding, ist für mich zum Symbol für heiße Tage geworden.

Was liegt da näher als bei den aktuellen Temperaturen meinen Kindern das gleiche Vergnügen zu gönnen. Die haben mittags in der Kita schon richtig gegessen, da schadet ein Pudding abends nicht.

Das Leuchten der Kinderaugen zeigte mir, dass die Entscheidung gut war. Isabel war mit Feuereifer dabei und half die Puddings zu stürzen. Mit einem Heißhunger machten sich beide über ihren Pudding her. Teilen? Nein, sie essen alles auf!

In der Realität blieb für uns dann noch eine ordentliche Portion für uns übrig. Und dazu zwei satte, glückliche, eingesaute Kinder……

Wir geben unsere Erfahrungen, Rituale, Traditionen und Erlebnisse an unsere Kinder weiter. Schade dass ich gar nicht weiß, welche der Rituale auch Kindheitserinnerungen meiner Eltern sind.

Summer Memories – Pudding zum Abendessen

Vonne Endlichkait

  2015 kam das Buch auf den Markt. Damals litt mein Papa an Krebs. Heute, ein halbes Jahr nach seinem Tod habe ich die Kraft es zu lesen. 

Ich bin sicher, es hätte Dir gefallen, Papa.

Wir vermissen Opa

  Es sind die kleinen Dinge…

Isabel hat den Schmetterling raus geholt, schaute ihn an und meinte traurig: „Opa hat den mit mir gebastelt.“

Omron 86

 Der erste Taschenrechner von meinem Papa. Also der Erste, den er zu Hause hatte und mit dem ich spielen durfte. Und was ich  auch ausgiebig tat.

Die Anzeige war mit LED und leuchtet so schön blau. Baujahr circa 1975. Leider funktioniert er heute nicht mehr. Haben meine Kinder doch etwas zu früh und etwas zu viel damit gespielt.

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