Kultur & Event-Woche

Meine Familie ist eine Woche nicht da. Eigentlich könnte ich es mir bequem machen zu Hause und in Ruhe das eine oder andere Ding erledigen. Aber das ist nicht meine Art.

Es ist nicht so, dass ich im normalen Leben was vermisse. Aber ich nutze die Zeit Dinge zu tun, die sonst zu kurz kommen. Und gerade während Corona kam so einiges zu kurz in der Kultur.

German Bowl XLII

Am Samstag, den 9. Oktober trafen sich in Frankfurt die beiden besten Teams Deutschland zum Endspiel. Ich wie immer mitten drin statt nur dabei. http://www-germanbowl.de.

Zeitreise in Frankfurt

Das musste ich testen. Ein VR-Kutschfahrt durch das Frankfurt von 1891. Sehr beeindruckend, besonders wenn man die Strecke kennt und danach nochmal ablaufen kann.

Das wirkte so echt, dass ich am Ende etwas Höhenangst bekam und tatsächlich ein wenig brauchte, mich wieder zu orientieren.

Altstadt Frankfurt

Danach stürzte ich mich in die Masse der Touristen und schaute mir die neue Altstadt an. Zum ersten Mal nach dem die Altstadt ja schon knapp zwei Jahre alt ist. Eine Mischung aus Historie und Disney Land, aber recht gut gelungen. Die Goldene Waage ist ein Kaffeehaus wie man sich das vorstellt. Der Kuchen ist lecker,

Football

Mal wieder Live Football an der Basis. Gernsheim Gladiators gegen Eschwege Legionäre. Ein gutes Spiel, wenn auch Eschwege hart mit dem Verletzungspech zu kämpfen hatte. Aber der Kontrast zum German Bowl am Vortag war extrem.

Zum Abschluss ein Kürbisbier auf de Oktoberfest von Faselbräu.

Frau Rauscher Stadttour

Die Altstadt nur angucken reicht nicht, man muss sie sich auch erklären lassen. Das hat die Frau Rauscher übernommen am Dienstag.

Hipp de Bach und Dribb de Bach.

Aber woher die Beul am Ei kommt konnte sie auch nicht klären. Nur das mite dem Alde vielleicht gar nicht ihr Mann war, sondern der alde, fertige Ebbler gemeint war, konnte sie mit einbringen.

Und am Ende sangen alle in der Klappergass:

Die Fraa Rauscher aus de Klappergass,
die hot e Beul am Ei,
ob’s vom Rauscher, ob’s vom Alde kimmt,
des klärt die Bolizei.

Mephisto

Mein erster Besuch im Schauspielhaus. Modernes Theater wie man sich modernes Theater vorstellt. Statt Hans Niklas auf der Bühne zu erschiessen, zieht er sich nackt aus, erzählt wie er erschossen wird und verschwindet von der Bühne.

Ein spannender, sehr aktueller Stoff. Die Geschichte über Hendrik Höffgens lehnt sich an Gustav Gründgens an und viele historische Personen an, ist aber kein Portrait. Man hat als immer neben der Handlung auf der Bühne die echte historische Begebenheiten im Kopf. Aber auch die Geschichte von Faust spielt durch die Verzahnung des Helden als Mephisto als Symbol für die Versuchung der Menschheit. Wie entscheidet sich jemand im Kampf zwischen Anerkennung und Moral.

Mephisto von Klaus Mann bei Wikipedia

Das Stück selber hat mich schon interessiert. Bereits im Sommer war ich in Mephisto der Dramatischen Bühne im Grüneburgpark. Als Monolog (okay, er Sprecher aus dem Off war auch dabei) für eine Stunde die Quintessenz des Stückes im modernen Umfeld. Das war schon bemerkenswert,

Auch heute ist das noch interessant. Nicht nur bei uns mit Aufkommen der AfD und den Parallelen, aber auch Unterschieden, zur Machtergreifung der Nazis in der Weimarer Republik. Auch Donald Trump hat mit seiner Machtpolitik ganz viele ähnliche Fäll erzeugt. Wieviele haben sich für ihn verbogen, damit die Macht erhalten bleibt. Die Nähe zu ihm und der Macht sind wichtiger als objektive Kriterien. Die Geschichten der Menschheit passieren immer wieder. Die Technik und Welt hat sich verändert, der Mensch nicht.

Für einen Absacker und Essen am Abend ist das Bahnhofsviertel gut geeignet. Auch wenn die „kleinen Imbisse“ sehr rar sind und man überall nur große Portionen bekommt. Streelife im Herbst auf dem Kiez. Ein bisschen Schmerzfrei muss man schon sein.

Ulla Meinecke

„Schlendern ist Luxus“ oder „Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig“ sind Sätze, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben. Genauso wie der Text „Die Tänzerin“.

Als ich gesehen habe, dass Ulla Meinecke diese Woche in das neue Theater nach Höchst kommt, dachte ich: „Warum nicht“. Ich schaute mir die alten Videos und Lieder bei Youtube an und war begeistert. Tolle Texte und tolle Chansons. Nicht unbedingt alle charttauglich, vielleicht nicht mal immer POP-Musik, aber auf jeden Fall hörenswert. Auf meiner Playlist stand sie für ein paar Tage fast alleine und wird auch zukünftig immer dort sein.

Der Live-Auftritt konnte zwar nicht alle Erwartungen erfüllen, aberist okay. Sie ist mittlerweile 68 und die Stimme hat ein wenig gelitten. Aber hey, das mit dem körperlichen Zerfall mache ich selber gerade mit. Ich renne auch nicht mehr wie in den Achtzigern. Eher wie ein Achtzigjähriger.

Der Erfolg hat um Ulla lange einen Bogen gemacht. Sie tourt im Kleinen, nur mit einem Musiker durch die Lande. Und das war in den letzten zwei Jahren nicht einfach. Wenn man die Bestuhlung im neuen Theater sieht, und selbst die war nicht ausverkauft, dann weiß man wie schwer es solche Künstler in dieser Zeit haben. Da muss man wohl für den einen oder anderen zynischen Satz Verständnis haben.

Die Wunderbar und Alt-Höchst sind immer einen Ausflug wert. Nicht nur für die Erinnerungen.

Freitagsküche

Für heute Abend hab ich die Freitagsküche geplant.

Den Tip habe ich aus einem Frankfurt Newsletter. Kunst und Essen. Jeden Freitag ein anderer Künstler und jeden Freitag ein dazu passendes Gericht mit anderem Koch. Es geht um dieGespräche miteinander und das gemeinsame Geniessen.

Diese Woche unter dem Stichwort Ernährung der Ureinwohner von British Columbia.

BUCHVORSTELLUNG:

First Nations Cuisines – Wandel und Professionalisierung indigener Ernährungskulturen in British Columbia, Kanada (2020) von Dr. Sebastian Schellhaas

Seit dem ersten Kontakt mit Europäern haben sich die indigenen Ernährungskulturen an der kanadischen Nordwestküste stark gewandelt. Häufig ist vom Verlust indigener Küchentraditionen die Rede. Sebastian Schellhaas‘ Studie zeichnet ein differenzierteres Bild. Anhand historischer Quellen und ethnographischer Forschungsepisoden gibt er einen beispiellosen Einblick in die facettenreiche Kulturgeschichte indigener Ernährungskulturen in British Columbia von der Ära des Erstkontakts im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ein besonderer Fokus auf das noch junge Phänomen indigener Gastronomie ebnet dabei den Weg in ein noch unerschlossenes Forschungsgebiet der Geschichte Kanadas.

SEBASTIAN SCHELLHAAS, RAUL SCHELLHAAS und BENJAMIN HÜBNER kochen TRIBUTE TO FIRST NATION CUISINES

saibling | lachsforelle | hase | möhre | bannock | spitzkohl | stachelbeere | kiefer | zedernholz
heilbutt | muschel | alge | crème fraîche
wildschwein | preiselbeere | ziegenkäse | frybread

tonic water | cranbeery | gin

Ich lasse mich überraschen….

Update

Einlass ab 19:15, über den Abend verteilt gab es die einzelnen Gänge des Essen. Die Atmosphäre war nett. An der Wand hingen noch die Bilder vom letzten Künstler. Der Autor kochte fleißig mit, aber es gab leider keinen Bezug zum Buch. Schade. Beim nächsten Mal vielleicht doch lieber einen Maler?

moules marinières mit röstbrot und rouille

ente, jus, kürbiscreme, frühlingslauch, himbeere

café gourmand
(schokokuchen, mandelkuchen, granache, vanilleeis)

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